Im Echo des Donauflussbettes verbergen sich die Spuren des 19. Jahrhunderts
Die Dampfschiffstation an der Donau gegenüber Kaisermühlen, Ölgemälde in den Österreichischen Gallerie Belvedere von Emil Jakob Schindler (ca. 1871/72).
Ein Team von Wissenschaftern der Triton-Gesellschaft untersucht seit Anfang 2008 die verschollene Dampfschiffstation. Mit High-Tech-Verfahren ist man dem Rätsel um dieses Kapitel der Donauschifffahrt auf der Spur. Unterwasserarchäologen und Geophysiker erproben neue Methoden von akustischen Suchsystemen um auch an anderen Fundstellen zerstörungsfrei zum Ziel zu kommen.
Geschichte trifft auf Innovation und Training
Für Cyril Dworsky, Projektleiter und Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie Triton, liegt das Reizvolle an dieser Untersuchung im Zusammenspiel von vergessener Geschichte, technischer Innovation und der Möglichkeit eines Testgebietes im nahen Umfeld: “Natürlich interessiert uns vor allem was der Grund der Alten Donau an Informationen zu der Dampfschiffstation bereit hält. Wir möchten den Boden Stück für Stück durchleuchten und lernen die von uns erarbeiteten Daten zu lesen und zu interpretieren. Das Schöne dabei ist aber auch, dass wir nicht wie sonst mit Sack und Pack zu einem weit entfernten See fahren müssen, sondern bequem und in Ruhe vor unserer Haustür forschen können. Das ist vor allem für die Ausbildung unserer Studenten ein wichtiger Aspekt.”
Vom Strom gekappt
Vor 150 Jahren fuhren auf der Alten Donau regelmäßig Dampfschiffe. Hier, dem Hauptarm der Donau im 19. Jahrhundert, lag die Anlegestelle für den Personenverkehr. Erst der Donaudurchstich (Wikipedia: Wiener Donaukorrektur) 1875 machte den Hafen unbrauchbar, denn so wurde die Alte Donau vom fließenden Gewässer abgeschnitten. Nicht nur die Betreiber des Hafens, auch benachbarten großen Schiffsmühlen verloren ihre Existenzgrundlage. Heute kennt man das Gebiet noch unter dem Namen Kaisermühlen – der erste wichtige Wiener Dampfschiffhafen ist in Vergessenheit geraten.
Zwischen Gänsehäufel und Laberlweg
Auf wenigen alten Karten kann Alexander Schwille, der sich mit den Archivrecherchen zu dem Projekt befasst, die Schiffsanlegestelle noch nachweisen. Sie befand sich zwischen dem später aufgeschütteten Großen Gänsehäufel und dem südlichen Ufer der jetzigen Alten Donau. Diese Seite war zum Hafen ausgebaut worden. Wie der Hafen ausgesehen hat, ist kaum bekannt. Die Fotographie war zu dieser Zeit noch in ihren Anfängen, Detailpläne haben sich durch Brände und Kriege keine erhalten und oberflächlich kann man heute nichts mehr erkennen. Nur ein Gemälde von Emil Jakob Schindler zeigt eine Ansicht der Dampfschiffstation. Ein weiteres Bild von Jakob Alt scheint leider unauffindbar.
Archäologie ohne Zerstörung
Nicht nur in der Landarchäologie, auch in der Unterwasserarchäologie sucht man nach Methoden zur zerstörungsfreien Untersuchung von Fundstellen. Da eine Grabung aufwendig und teuer ist, wäre es gut möglichst viele Informationen über Fundorte zu erlangen ohne eine Schaufel in die Hand zu nehmen. Für die Archäologie an Land entwickelte sich die Methode des Geomagnetismus (Wikipedia: Magnetometer) zu einer geeigneten Technik. Für Fundstellen unter Wasser könnten akustische Messsysteme – Sonar (Wikipedia: Sonar)- der Schlüssel zum Erfolg sein.
Schall und Widerhall
Schon lange werden Sonarsysteme zur Erforschung der Gewässer benutzt. Im Wasser kann sich der Schall ohne große Schwierigkeiten ausbreiten und Hindernisse oder den Seeboden in der Form eines Echos deutlich machen. Schall kann aber auch in den Boden eindringen und verschiedene geologische Schichten deutlich machen. Solche Untersuchungen werden beispielsweise bei der Suche nach Öl angewandt. Das Ziel des Dampfschiffhafen-Projektes ist es, die Methode so weit zu verfeinern, dass auch kleine Störungen, wie hölzerne Bauteile oder Teile einer Mauer, lesbar werden.
Eingefrorene Informationen
Die Daten der akustischen Untersuchungen müssen besonders in der Anfangsphase bestätigt werden. Um einen genauen Verlauf der Bodenschichten der Alten Donau zu erlangen, wollen die Forscher von Triton Bohrungen durchführen. “Wir werden den Boden um unsere Bohrsonde einfrieren. Ein paar Zentimeter rund um einen mit flüssigem Stickstoff gefüllten Stahlspieß frieren dabei zu einer kompakten Masse, die wir dann mitsamt der Sonde an die Oberfläche bringen. Schicht für Schicht”, so Dworsky, “können wir dann den Boden lesen. Und wenn wir Glück haben friert auch noch ein Stück Holz an, das wir ins Labor zur Datierung schicken können.”
Zum Thema:
Interview mit Alexander Schwille über das Projekt Alte Donau
Das Kaiserwasser und die Mühlen des Kaisers
Die Donauregulierung als Jahrhundertprojekt

1 Comment
February 27, 2008 at 5:26 pm
[...] The Author Dampfschiffe auf der Alten Donau [...]